Diwali – das Fest des Lichtes

Es ist die dunkelste Nacht des Jahres … macht sie zur hellsten!

Abertausende Lichter, Feuerwerk, Ausgelassenheit, dekorierte Häuser, geschmückte Tempel … es ist Dipawali, das Fest des Lichtes.

Dipawali besteht aus zwei Worten‚ dip – Öllampe, awali – Reihe. Heute wird es kurz Diwali genannt und ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von vorhergehenden Festivitäten. 

Diwali hat seinen Ursprung im Ramayana, wo Vishnu als Rama inkarnierte; Lakshmi, Seine Gefährtin, als Sita; Shesha, die Weltenschlange, auf der Er ruht, als Lakshmana. (Zum Ramayana schauen Sie bitte auf meiner Krishna Seite vorbei.)

Rama wird aufgrund einer Intrige des Landes verwiesen. Sita, Seine Frau, und Lakshmana, Sein Bruder, begleiten Ihn. Sita wird von dem Dämon Ravana, dem König von Lanka, entführt. Mit Hilfe des Affen Hanuman stellt Rama ein riesiges Affenheer auf. Dieses greift Lanka an, tötet Ravana und befreit Sita. (Alles über Ravana finden Sie auf meiner Mythenseite.)

Ravana symbolisiert Gier und Macht, Hanuman Loyalität und Hingabe, Rama und Sita das ideale Paar. Zu Ehren Hanumans gelten Affen in Indien als heilig.

Der Tod Ravanas wird als Vijaya Dashami, der siegreiche Zehnte, am zehnten Tag der hellen Mondphase in Ashvina (September/Oktober) gefeiert. Ein weiterer Name des Festes lautet Dussera.

Vor Vijaya Dashami wird in ganz Indien das Ramayana aufgeführt, teilweise auf improvisierten Bühnen.

An Vijaya Dashami werden Bildnisse und aus Stroh gefertigte Statuen Ravanas und seiner beiden Brüder Meghanada und Kumbhakarna verbrannt, den Sieg des Guten über das Böse symbolisierend.

Diwali wird zwanzig Tage nach Vijaya Dashami gefeiert, denn zwanzig Tage dauerte es, bis Rama, Sita und Lakshmana aus Lanka zurückkehrten.

Das Datum für Diwali errechnet sich, wie die meisten Feste, aus dem traditionellen lunaren Kalender Panchanga* (fünf – panch, Glieder – anga).

Diwali wird im Monat Karttika (Oktober/November) zu Neumond begangen, am Übergang von der dunklen Mondphase zur hellen. Es ist eines der ältesten Feste Indiens und hat Invasionen und Kolonisation überlebt. Es ist ein Nationalfeiertag.

Die alten Diwali Riten haben sich mit der Moderne vermischt. Der Anlass des Festes ist der alte geblieben, doch macht elektrisches Licht der Ölflamme Konkurrenz; man besucht sich nicht mehr unbedingt, sondern verschickt elektronische Karten; die Blüten, die das Haus schmücken, sind nicht mehr im eigenen Garten gepflückte, sondern aus Plastik; die Süßigkeiten werden nicht mehr selbst gebacken, sondern gekauft.

Die erste Hälfte des Monats Karttika gehört den Vorbereitungen für Diwali, das eigentliche Fest dauert fünf Tage. Es beginnt mit dem 13. Tag der dunklen Mondphase, Dhanteras, der reichliche Dreizehnte, und ist dem Gott der Schätze, Kubera, und der Göttin des Glücks, Lakshmi, geweiht.

Nach Dhanteras, am 14. Tag der dunklen Mondphase, wird Narakachaturthi gefeiert in Gedenken an den Sieg Krishnas über den Dämon Naraka. Narakachaturthi ist das ‚kleine Diwali‘, man übt an diesem Tag schon mal für das große Fest. (Den Mythos um Naraka finden Sie auf meiner Mythenseite.)

Am 15. Tag ist Neumond, und zwar der dunkelste Neumond des Jahres. Heute kommt alles zum Einsatz, was man in den Wochen zuvor gekauft hat. Diyas, die flachen Schalen für die Öllampen, gefertigt aus den fünf Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft, Äther symbolisieren den Körper, der aus diesen Elementen besteht und wieder in sie zerfällt. Süßigkeiten sagen, sprecht nur süße Worte miteinander. Die Dekoration fordert auf, das Lichte und Schöne ins Leben einzulassen. Das Feuerwerk vertreibt die Dunkelheit. Handgefertigte Statuen aus Lehm von Ganesha, dem Beseitiger von Hindernissen, Lakshmi, Rama, Sita, Lakshmana und Hanuman geben sich in jedem Haushalt ein Stelldichein. Man glaubt sicher, dass Lakshmi in der Diwali Nacht auf die Erde herabsteigt und in den Häusern sich am längsten aufhält, die besonders sauber und phantasievoll geschmückt sind.

Die Diwali Nacht erinnert an die der Göttin der Weisheit, Sarasvati, geweihte Hymne aus der Brihadaranyaka Upanishade I.3.28

asato ma sat gamaya
tamaso ma jyotir gamaya
mrityor mamritam gamaya

Führe mich
vom nicht Sein zum Sein,
von der Dunkelheit ins Licht,
vom Tod zur Unsterblichkeit.


Der Tag nach Diwali, der 1. Tag der hellen Mondphase, wird Annakuta genannt, Berg der Nahrung, und ist Krishna geweiht.

Die Einwohner von Mathura verehrten jedes Jahr am Berg Govardhan Indra, mit der Bitte um reichlich, aber nicht zu viel Regen und um eine damit verbundene gute Ernte. Krishna schlug eines Tages vor, nicht Indra, sondern den Berg, auf dem die Kühe grasen und die Feldfrüchte gedeihen, zu verehren. Indra wurde zornig und ließ es tagelang regnen. Krishna hob den Berg Govardhan in die Höhe und bot so Mensch und Vieh darunter Schutz. Indra erkannte Krishnas Macht und bat um Vergebung. Mit einem Modell des mit Blüten geschmückten Berges danken die Bauern der Erde für ihre Gaben.

Der 2. Tage der hellen Mondphase wird Yamas Dvitiya (Yamas Zweiter) genann und ist ein Fest der Geschwister.

Yama, der Herr des Todes, hatte eine Zwillingsschwester, Yamuna. Für ein höheres Ziel trennten sich die beiden. Yamuna stieg hinab auf die Erde und nährt als gleichnamiger Fluss die Sterblichen, Yama kümmert sich um deren Seelen. An diesem Tag nun lud Yamuna ihren Bruder zum Essen ein. Zum Emfpang drückte sie ihm ein glückverheißendes Stirnzeichen (Tilaka) aus Sandelholzpaste auf. Yama ordnete an, dass jedem Bruder, der von seiner Schwester an diesem Tag ein Tilaka erhält, ein langes Leben beschieden sei.

Der Monat Karttika ist der Hochzeitsmonat, man bittet darum, so eng verbunden zu werden wie Sita und Rama.

Das Fest des Lichtes erinnert uns daran, dass dunklen Zeiten lichte folgen. Jeder Neumond Tag kann in ein Diwali verwandelt werden.

 

*Die fünf Glieder

Mond Tag (Tithi)
Die Zeit zwischen Mondaufgang und -untergang ist ein Mond Tag. Der erste Mond Tag ist der Neumond, Amavasya, der nächste Mond Tag ist der 1. Tithi … bis zum 14. Tithi, dem Vollmond, Purnima. Hier beginnt die Zählung wieder von vorn bis zu Neumond. Die Tithis der zunehmenden Mondphase (shuklapaksha – shukla = hell) gelten als glückverheißend, die der abnehmenden Mondphase (krishnapaksha – krishna = dunkel) als nicht glückverheißend. Was zu welchem Tithi sinnvoll ist zu tun oder zu unterlassen erfährt man durch den Astrologen.

Wochentag (Vara)
Der Tag der Woche. Die Tage sind nach den Planeten Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn (ravi, soma, mangala, budha, guru, shukra, sani) benannt.

Mondhaus (Nakshatra)
27 an der Zahl. Das Nakshatra in dem der Mensch geboren wurde ist von höchster Wichtigkeit und manchmal auch Teil des Namens.

Mond-Sonne Tag (Yoga) und halber Mond Tag (Karana)
Wichtig für die Kalkulation der Distanz von Sonne und Mond.

 

Von Charu Uppal – übersetzt mit freundlicher Genehmigung von boloji.com

            
            
          
      

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