Bhava Chakra – Rad der Existenzen

Das Bhava Chakra entstammt der Lehre Buddhas. Es zeigt in vier Kreisen die Bedingtheit des Entstehens unserer Existenzen. Gehalten wird es von Mara, einem Dämon. Mara war es, der Buddha mit Sinnesfreuden zu verführen versuchte, um zu verhindern, dass er Erleuchtung erlangt. Buddha widerstand Mara. Mara ist das was uns umtreibt, uns ablenkt, wegführt vom höheren Sinn des Daseins.

Der innerste Kreis zeigt die drei Grundübel – Gier, Hass, Verblendung – symbolisiert durch Hahn, Schlange, Schwein, die sich gegenseitig bedingen.

Der zweite Kreis zeigt in hell und dunkel, die Möglichkeit des Aufstiegs in höhere lichte Welten oder des Abstieges in niedere dunkle Welten.

Der dritte Kreis verfeinert den zweiten und stellt sechs Welten, drei höhere (Mensch, Dämon, Gott) und drei niedere (Höllenwesen, Hungergeist, Tier), dar, in die wir geboren werden.

Sie sind nichts anderes als unsere Bewusstseinszustände. Kleshas sind die Hindernisse auf dem Weg zu Vervollkommnung, hervorgerufen durch Samskaras, festgefahrene Denkstrukturen, Verhaltensmuster, Konditionierungen und Vasanas, Eindrücke aus vergangenen Leben. Diese drei machen uns unfrei, binden uns an die Wiedergeburt. Sie sind Mara. Wir schaffen uns den Himmel selbst oder machen uns das Leben zur Hölle.

Mir wurde das einst am Beispiel Wasser wie folgt beschrieben: in der Götterwelt ist Wasser Nektar, in der Dämonenwelt Wein, in der Menschenwelt Wasser, in der Welt der Hungergeister kochend heißes Wasser, in der Welt der Tiere bitteres Wasser, in der Welt der Höllenwesen heißes Öl.

Doch nichts ist ewig, wenn wir in der ‚niederen‘ Welt ein ‚gutes‘ Leben führen gelangen wir in eine ‚höhere‘ Welt. Sie hat aber auch ihre Tücken. Deshalb ist es das Ziel, aus diesem leidvollen Kreislauf von Geburt und Tod herauszukommen. Befreiung zu erlangen und einzugehen in ewige Glückseligkeit. Nirvana ist ein im Westen bekannter Begriff aus dem Buddhismus, man verlöscht. Der Inder nennt es Moksha. Da der Inder, im Gegensatz zum Buddhismus, einen Gottesbegriff kennt, geht man hier in ‚etwas‘ ein. Die verkörperte Seele (Atman) kehrt zurück zu ihrem Ursprung, wird eins mit der kosmischen Seele (Paramatman (Brahman)).

Die Welt der Hungergeister wird von Gier bestimmt. Ihr Hunger ist gewaltig, ihre Hälse sind dünn. Sie können nicht so viel schlucken wie sie raffen möchten.

Das Reich der Tiere wird von animalischen Trieben bestimmt.

Das Reich der Götter wird von Stolz bestimmt. Sie leben sehr lange, vergessen, dass sie sterblich sind. Sie genießen und leben gedankenlos dahin.

Die Welt der Dämonen wird von Neid bestimmt. Sie gönnen den Göttern ihren höheren Rang nicht.

Die menschliche Geburt ist selten und die einzige, die es ermöglicht, aus dem Kreislauf von Geburt und Tod herauszukommen. Wir haben Verstand und Intellekt, um über das was wir tun nachzudenken. Wir können uns dem Weltlichen oder dem Transzendenten zuwenden. Wir können Mara widerstehen.

Der vierte Kreis nun geht in alle Details, zeigt die Abhängigkeiten, durch die wir an die Welt, den endlosen Kreislauf von Geburt und Tod, gebunden werden bzw. uns binden.

Wunderschön beschrieben von dem buddhistischen Mönch (Bhikkhu) Chantasaro – am besten holt man sich ein Bild des Bhava Chakras aus dem Internet und lauscht gespannt.

 

 

            
            
          
      

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