Zufriedenheit

Mitt der 1960er Jahre arbeitete meine Mutter halbtags in einem kleinen Familienbetrieb, der Glas, Porzellan und Besteck namhafter Hersteller verkaufte – Tischkultur also. Das Haus bestand aus drei Etagen. Oben wohnte die Familie mit ihren zwei Kindern, in der Mitte waren die Verkaufs- und Büroräume, unten waren Verpackung und Lagerung. Der Laden lag außerhalb der Stadt, in der Pampa.

In der Innenstadt wurde zu jener Zeit ein Einkaufszentrum – damals etwas ganz Besonderes – geplant und der Besitzer erhielt die Anfrage, ob er einziehen wolle.

Er wollte nicht, er wollte sein eigener Herr in seinem eigenen Laden bleiben, auch auf die Gefahr hin, dass dieses Einkaufszentrum zu Umsatzverlust führen könne. Das lag durchaus im Bereich des Möglichen, denn es zog wirklich ein Geschäft mit Tischkultur ein. Und neben dem Einkaufszentrum wurde ein Kaufhaus gebaut, das ebenfalls eine derartige Abteilung hatte.

Den Familienbetrieb gibt es heute noch, die alten Herrschaften sind nicht mehr, ein Sohn führt das Geschäft mit seiner Frau. Sie haben sogar angebaut.

Der einzige Unterschied zu früher – das Haus steht nicht mehr in der Pampa. Ein riesiges Industriegebiet mit Läden aller Art – Möbelhäuser, Autohäuser, Gartencenter, Baumarkt und so weiter, hatte sich entwickelt. Auf einem anderen Teil des Brachlandes wurde in den letzten Jahren ein Wohngebiet erschlossen. Innenstadt und Industriegebiet sind zusammengewachsen und mittendrin der Familienbetrieb.

Diese weise Entscheidung damals hatte ihren Ursprung in Zufriedenheit.

Das Einkaufszentrum ist inzwischen leer, gammelt vor sich hin. Das damals eingezogene Glas- und Porzellangeschäft gibt es schon lange nicht mehr.

            
            
          
      

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