Krishna-Arjuna – Nacht-Tag

Den Lesern dieses Artikels sollte das Mahabharata bekannt sein und sie sollten Freude an metaphysischen Spekulationen haben.

Das Mahabharata ist Vyasas Interpretation der Veden in Erzählform. Vyasa sah dasselbe ewige Drama des Lebens, das die Rig Vedischen Seher (Rishis) sahen. Sie gaben ihre Vision in verschlüsselter Form in den Hymnen des Rig Vedas wieder. Vyasa wandelte die Verschlüsselungen um in Metaphern und Allegorien und machte sie so dem einfachen Menschen zugänglich.

Yajnavalkya war einer von Vyasas Schülern und stand ihm am nächsten. Nachdem Vyasa die Veden geordnet hatte beauftragte er seine Schüler, sie auf der Erde zu lehren. Yajnavalkya wurde die Ehre zuteil, weiteres Wissen der Veden durch Surya zu erfahren. Somit hatte Vyasa nicht alle Veden geordnet, Yajnavalkya vollendete sein Tun.

Krishna und Arjuna sind die Helden des Mahabharatas. Krishna bedeutet wörtlich schwarz/dunkel, Arjuna bedeutet wörtlich weiß/hell.

Zwei Verse im Rig Veda beinhalten die Worte ‘Krishna’ und ‘Arjuna’

Rig Veda VI.9.1
Es drehen sich der schwarze Tag und der helle Tag, die lichte und die dunkle Seite, mit Vorbedacht. Agni Vaisvanara überwand, eben geboren, wie ein Souverän mit seinem Licht die Finsternis.

ahashca kRSNamahararjunaM ca vi vartete rajasI vedyAbhiH |
vaishvAnaro jAyamAno na rAjAvAtirajjyotiSAgnistamAMsi ||

Die Nacht ist Krishna, der Tag ist Arjuna, zusammen sind sie die Zeit.

Im Shatapatha Brahmana (das Brahmana der tausend Wege) II.1.2.11, wird Indra mit Arjuna und Phalguni benannt
Der Opferherr mag sein Feuer unter den Phalgunis entzünden. Die Phalgunis sind Indras Sternengruppe und entsprechen Ihm im Namen. Denn, wahrlich, Indra wird auch Arjuna genannt, dies ist Sein geheimer Name. Die Phalgunis werden ebenfalls Arjunis genannt. Deshalb nennt er sie Phalgunis, denn wer wagt es, Seinen geheimen Namen auszusprechen?

Ein Name Arjunas ist Phalguna. Phalguna ist eine Sternenkonstellation/ein Mondhaus (Nakshatra). Arjuna ist der Sohn Indras im Mahabharata.

Tag und Nacht bei Yajnavalkya
Prajapati ist das Jahr, das Opfer ist Prajapati; und das Jahr ist Tag und Nacht; die beiden, sich drehend, lassen es entstehen. Die Sonne, wahrlich, steht in Beziehung zu Agni, der Mond zu Soma. Der Tag steht in Beziehung zu Agni, die Nacht zu Soma. Der zunehmende Mond steht in Beziehung zu Agni, der abnehmende Mond zu Soma.

Tag und Nacht als Rad = Jahr
Tag = Agni
Nacht = Soma
Agni und Soma sich drehend = Jahr

Sonne = Agni
Mond = Soma
Sonne und Mond sind drehend = Jahr

Sonne = Agni = Tag = Licht = Kraft
Mond = Soma = Nacht = Dunkelheit = Gegenkraft
Der Mond hat zwei Phasen – die zunehmende und die abnehmende.

Kraft und Gegenkraft = Licht und Dunkelheit soll hervorheben, dass das Licht über die Dunkelheit herrscht.

Indra, als Phalguna und Arjuna, erscheint wieder im Panchavimsha Brahmana (das Brahmana der 25 Kapitel) in V.9.8
Phalguna (der Vollmond Tag) ist das Haupt (der Beginn) des Jahres.

Damit ist Arjuna bzw. Phalguna auch der Vollmond Tag und der Beginn des Jahres – Tag und Nacht, sich drehend.

Der Mond hat zwei Phasen – eine abnehmende und eine zunehmende.

Zunehmender Mond = Agni = Kraft
Abnehmender Mond = Soma = Gegenkraft

Yajnavalkya
Der Vollmond ist, zweifellos, derselbe wie die Sonne, denn er, wahrlich, ist Tag für Tag voll. Und der Neumond ist derselbe wie der Mond, denn er erscheint sozusagen. Doch sagen sie auch der Vollmond ist derselbe wie der Mond, denn nach der Fülle Letzteren ist die Nacht des Vollmondes. Und der Neumond ist derselbe wie die Sonne, denn sie erscheint, sozusagen.

Vollmond = Sonne = Arjuna
Neumond = Mond = Krishna
Vollmond = Mond = Krishna
Neumond = Sonne = Arjuna

Arjuna = Krishna oder Arjuna ist ein Aspekt Krishnas und Krishna ist ein Aspekt Arjunas. Dass Arjuna Krishna ist, ist klar, denn ein Name Arjunas ist Krishna.

Der Dharma ist ein weiß-schwarz Paradox, gleich den vier Krishnas (Krishna; Arjuna, der auch den Namen Krishna trägt; Krishnadvaipayana, Vyasa selbst; Draupadi, die auch den Namen Krishna trägt) im Mahabharata.

Kraft und Gegenkraft sind eine endlose Gleichung, ein Spiegel im Spiegel. Kraft und Gegenkraft sind gegenseitig in sich enthalten.

Der Tag als Licht ist Kraft. Die Nacht als Dunkelheit ist Gegenkraft. Zusammen schaffen sie das Yuga – das Jahr Prajapatis.

Kraft hat zwei Unterkräfte – Kraft und Gegenkraft. Arjuna ist beides weiß und schwarz.

Gegenkraft hat zwei Unterkräfte – Kraft und Gegenkraft. Krishna, schwarz seiend ist die Gegenkraft der Gegenkraft.

Der Konflikt zwischen Kraft und Gegenkraft – eine jede hängt von der anderen ab. Die Existenz einer jeden basiert auf gegenseitiger Abhängigkeit. Die eine kann nicht ohne die andere sein.

Der Mond nimmt zu und das Zunehmen vollendet sich im Vollmond – Kraft erreicht ihren Höhepunkt, doch markiert dieser auch den Tod, das Abnehmen. Tod ist die Voraussetzung für Geburt und Wachstum – die Gegenkraft in der Kraft – Vritra (ein Dämon über den Sie auf meiner Mythenseite unter ‚Indra, der König der Götter‘ lesen) als Soma in Indras Magen. Indra kann Vritra niemals vollkommen vernichten, denn sein Hunger bleibt bestehen – und Vritra ist dieser Hunger.

Der Mond nimmt ab und im Abnehmen erschafft er den Neumond, den Tod des Todes, der die Geburt der Wachstumsphase in Gang setzt. Geburt ist im Tod enthalten. Das ist Krishna.

Kraft nimmt zu, um im Vollmond ihren Höhepunkt zu finden, der ihren Verfall hin zur Kraftlosigkeit markiert.

Der Weise Utathya sagt, dass Kraftlosigkeit mächtiger ist als Kraft, denn Kraft ist kraftvoll aufgrund von Kraftlosigkeit.

Vier Krishnas repräsentieren im Mahabharata die Komplexität der Kraft.

In anderen Worten, alle Charaktere sind weiß und schwarz. Weiß-in-schwarz und schwarz-in-weiß – alle Charaktere sind Arjuna (weiß) und Krishna (schwarz).

Yajnavalkya zu weiß und schwarz
Diese beiden Qualitäten, wahrlich, beziehen sich auf Agni und Soma. Das Weiße bezieht sich auf Agni, das Schwarze bezieht sich auf Soma. Nähmen wir jedoch das Gegenteil an, dass das Schwarze sich auf Agni beziehe und das Weiße auf Soma, dann wäre die Antwort, das Sehen ist die Natur Agnis, trocken. Das Schlafen ist die Natur Somas, denn feucht sind die Augen des Schlafenden und Feuchte ist Soma.

Im Mahabharata sagt Krishna, sein Name ist Hrishikesh wegen des Agni und Soma Aspekts in sich. So ist Krishna beides, weiß-schwarz, und schwarz-weiß.

Yajnavalkya fügt hinzu
Die Sonne ist kein anderer als Indra und der Mond ist kein anderer als Vritra (ein Dämon). Doch ist Ersterer feindselig gegen Letzteren und deshalb, obwohl der Mond (Vritra) vorsichtshalber aufgegangen war (in der Neumond Nacht) in großer Distanz von Indra (Sonne), schwimmt er nun ihm entgegen und geht in seinen geöffneten Mund ein. 

Soma, die Speise der Götter, ist kein anderer als der Mond.
Soma ist ein Gott, denn Soma (der Mond) ist im Himmel. Soma ist Vritra.
Da Soma ein Gott ist, ist er weiß.
Da Soma Vritra ist, ist er schwarz.

Götter und Dämonen entstanden aus Prajapati, traten in das Erbe ihres Vaters Prajapati ein, nämlich in diese beiden Halbmonde. Die Götter in den zunehmenden, die Dämonen in den abnehmenden.

Yajnavalkya stellt klar, es gibt einen Dämonaspekt in Gott und einen Gottaspekt im Dämon.

Im Mahabharata sagt Vasishtha, dass die Dämonen die alte Generation der Götter sei und Götter die junge Generation der Götter. Das bedeutet alles Neue beinhaltet das Alte in sich – dieselbe Gegenkraft in der Kraft.

Tag und Nacht haben eine Verbindung, ein Gelenk – die Dämmerung, das Zwielicht.

Yajnavalkya
Nachdem Prajapati die Lebewesen erschaffen hatte waren seine Gelenke entspannt. Prajapati, ohne Zweifel, ist das Jahr, seine Gelenke sind die Verbindung von Tag und Nacht, von Vollmond und Neumond, von den Jahreszeiten.

Die Gelenke sind Vishnu – zwischen Tag und Nacht ist Vishnu.
Vishnu ist weiß und schwarz – weiß in schwarz und schwarz in weiß.

Die vier Krishnas haben Vishnu Aspekte, sie drehen sich als weiß und schwarz und sind jenseits von weiß und schwarz.

Die zweite Hymne aus dem Rig Veda X.21.3
Bei dir sitzen sie, den Satzungen getreu, mit den Löffeln wie die Wasser schöpfenden Frauen. Schwarze und weiße Farben, alle Herrlichkeiten hast du angelegt. In der Begeisterung will ich es euch verkünden.

kRSNArUpANyarjunA vi vo made vishvA adhi shriyo dhiSevivakSase ||\
yamagne manyase rayiM sahasAvannamartya |\

Krishna ist die schwarze Farbe, Arjuna die weiße, zusammen sind sie die zwei Aspekte Agnis.

Nun wird der zweite Teil von VI.9.1 klar
Agni Vaisvanara überwand, eben geboren, wie ein Souverän mit seinem Lichte die Finsternis.

Shatapatha Brahmana II.3.3.11/12
Tag und Nacht, sich drehend, vernichten die Früchte des Menschens Rechtschaffenheit in der jenseitigen Welt. Doch Tag und Nacht sind auf dieser Seite der Sonne von ihm, nachdem er in den Himmel eingegangen ist, und deshalb vernichten Tag und Nacht nicht die Früchte seiner Rechtschaffenheit. Gleich wenn man, stehend in einem Wagen, von oben hinunter schauen würde auf die sich drehenden Wagenräder, so schaut er hinunter von hoch oben auf Tag und Nacht. Und, wahrlich, Tag und Nacht vernichten nicht die Früchte dessen, der das Spiel von Tag und Nacht kennt.

Der sich in Tag und Nacht mitdreht, dessen Dharma wird zwangsläufig darniedergehen. Wer sich der Drehung bewusst ist, der bleibt fest im Dharma. Krishna und Arjuna sind, sich drehend, Tag und Nacht. Jedoch Krishna und Arjuna in einem Wagen sind frei von Drehung.

Die zwei kämpfenden Armeen auf Kurukshetra sind scheinbar Götter und Dämonen. Doch wie im endlosen Spiel von Kraft und Gegenkraft sind da Götter in Dämonen und Dämonen in Göttern.

Die beiden Armeen sind Tag und Nacht.

Indem Krishna und Arjuna den Wagen zwischen die beiden Armeen stellen sind sie das Gelenk.

Benötigt es weiterer Erklärung, warum Krishna die Bhagavad Gita auf einem Wagen inmitten von zwei Armeen spricht?

Krishna und Arjuna auf einem Wagen sind das Yuga – ob das beginnende oder das endende, das wissen wir nicht.

Aitareya Aranyaka
Da sind 360 Vokale, 360 Konsonanten, 360 Gruppen. Die Vokale sind die Tage, die Konsonanten die Nächte, die Gruppen die Verbindungen von Tagen und Nächten. Die Vokale sind die Knochen, die Konsonanten sind das Knochenmark. Knochenmark ist der wahre Atem (Leben), denn Knochenmark ist Samen und ohne Atem (Leben) wird kein Samen gesät. Oder wenn es ohne Atem (Leben) gesät wird, wird es verfallen, es wird nicht wachsen. Die Gruppen sind die Gelenke.

Vyasas in Versen verschlüsselte Charaktere sind das Zwielicht, die Gelenke des Mahabharata Körpers.

Nach dem Verfassen des Mahabharatas war Vyasa entspannt wie Prajapati, während Ganesha nachdachte.

Vyasa ist selbst der Vers des Mahabharatas. Und wie man sie nicht im Text identifizieren kann bzw. nie sicher sein kann wo sie im Text auftauchen, so kommt und geht Vyasa ganz mysteriös in seiner eigenen Erzählung und man kann nicht identifizieren, welcher Vyasa welcher ist. Ist es der Poet Vyasa, der Rishi Vyasa oder der ‚politische‘ Vyasa.

Die vier Krishnas im Mahabharata repräsentieren die Wahrheit. Keiner von ihnen ist vollkommen.

Das ist Yajnavalkyas Botschaft, keine Kraft ist absolut, jede Kraft enthält eine Gegenkraft, die Verfall und Auflösung bewirkt.

Krishna sagt in der Bhagavad Gita zu Arjuna, dass man den Ärger überwinden muss. Duryodhana ist der personifizierte Ärger, doch am Ende lässt Krishna Seinem Ärger freien Lauf und vernichtet Seine eigene Dynastie. Arjuna und Draupadi leiden durchweg an ihrem Ego und selbst Vyasa selbst kann das Begehren nicht besiegen.

Im Drehen von Schwarz und weiß – Nacht und Tag – entsteht Brahmans Jahr, das Yuga.

In diesem Jahr erkannt man, dass das Leben schwarz, weiß, schwarzweiß und weißschwarz ist.

Yajnavalka
Das Jahr und der Tod sind zweifellos dasselbe. Denn er ist es, der durch Tag und Nacht das Leben der Sterblichen vernichtet. Dann sterben sie. Deshalb sind das Jahr und der Tod eins. Doch wer erkennt, dass das Jahr der Tod ist, dessen Leben (das Jahr) wird nicht vernichtet durch Tag und Nacht, er erlangt die Fülle seines Lebens.

 

Von Indrajit Bandyopadhyay – übersetzt mit freundlicher Genehmigung von boloji.com

 

            
            
          
      

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