Dharma

Dharma ist ein Begriff, den es in unserer Sprache nicht gibt und bei dessen Beschreibung wir uns schwertun. Es ist ein Netz aus Ordnung, Ethik, Moral, Tugend, Pflicht gegenüber dem Menschen, der Gesellschaft, der Welt, der Natur, der Religion, die natürlich als Pflicht gegenüber Gott dargestellt wird.

So hat ein Mann andere Pflichten als eine Frau. Eine Schwester ihrem Bruder gegenüber andere als ihrer Oma gegenüber. Eine Schwangere hat andere Pflichten als ein Enkel.

Handeln gegen den Dharma ist Adharma. Doch lässt uns Goethe wissen:

Die Natur:
Man gehorcht ihren Gesetzen, auch wenn man ihnen widerstrebt,
man wirkt mit ihr, auch wenn man gegen sie wirken will.

Damit ist Adharma unmöglich. Dem stimme ich zu, denn wir können nicht gegen den kosmischen Willen, gegen die Natur, handeln.

Krishna spricht in der Bhagavad Gita IV.7

Yada yada hi dharmasya glanirbhavati bharata
abhythanamadharmasya tadatmanam srijamyaham
Wann immer, oh Bharata, der Dharma darniederliegt
manifestiere Ich Mich um des Dharmas willen.

Gemeinst ist damit, dass Vishnu (Krishna, ebenfalls ein Avatar, ist nicht verschieden von Vishnu) in Gestalt eines Avatars auf die Erde hinabsteigt und den Dharma wiederherstellt.

Dharma Shastras legen die Normen für das soziale und religiöse Leben fest. Das wichtigste ist die Manu Smriti, die ich nachfolgenden Beitrag verlinkt habe. Ein immer wieder zitierter Satz aus Manu Smriti VIII.15 lautet

Dharmo rakshati rakshitah
Wer den Dharma schützt ist geschützt.

VIII.15 bezieht sich auf Recht und wurde wie folgt ins Deutsche übersetzt: Unterdrückte Gerechtigkeit pflegt wiederum zu unterdrücken, beschütze aber zu beschützen, daher muß man ihr nie Gewalt anthun. »Nimm dich in Acht, oh Richter, daß nicht etwa die umgestoßene Gerechtigkeit uns und dich zugleich mit umwerfe.«

Dharma entstammt der Silbe ‘dhr’ und bedeutet ‘zusammenhalten’. Der Dharma ist ‚Das was uns trägt‘. Ein Leben im Einklang mit allem ist ein Leben im Dharma, was ein Leben nach den Gesetzen der Veden ist. Der Inder nennt seine Überlieferung, sein (religiöses) Kulturerbe Sanatana Dharma – der ewige Dharma, die ewige Ordnung.

Die einzelnen Dharmas lesen sich wie folgt: Samanya Dharma (Allgemeine Pflichten), Visesha Dharma (Individuelle Pflichten), Varnashrama Dharma* (Pflichten der Kasten und in den Lebensstadien), Svadharma (Persönliche Pflichten), Yuga Dharma (Gesetzte des Zeitalters), Kula Dharma (Pflichten der Familie), Manava Dharma (Pflichten der Menschheit), Purusha Dharma (Pflichten des Mannes), Stri Dharma (Pflichten der Frau), Raja Dharma (Pflicht der Regenten), Praja Dharma (Pflichten des Volkes), Pravritti Dharma (Pflichten im weltlichen Leben) und Nivritti Dharma (Pflichten im spirituellen Leben).

*Vier Lebensstadien, Ashrama. Brahmacharya – bis zum 24. Lebensjahr lernt der Mann. Grihastha – bis zum 48. Lebensjahr lebt er als Familienvater. Vanaprastha – bis zum 72. Lebensjahr widmet er sich seinem spirituellen Wachstum. Sanyasa – ab dem 73. Lebensjahr zieht er sich von der Gesellschaft zurück, bereitet sich auf den Tod vor, begibt sich in Meditation, um das große Ziel, die Befreiung von der Wiedergeburt, aus dem Kreislauf von Geburt und Tod, zu erlangen. Jedes Stadium legt einen anderen Dharma fest. Der Junge hat er andere Pflichten als der Familienvater. Der Familienvater hat andere Pflichten als der Opa.

Vier Kasten, Varna. In den uranfänglichen Schriften werden nur vier Gesellschaftsschichten, genannt – Brahmane, Kshatriya, Vaishya, Shudra – Klerus, Exekutive/Legislative, Nährstand/Kommerz, Arbeiter. Der Bauer hat andere Pflichten als der Schmied. Der Pfarrer hat andere Pflichten als der Minister.

            
            
          
      

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