Begehren

Die Gier – vornehmer ausgedrückt, das Begehren – gilt als eines der drei Grundübel (neben Zorn und Selbstsucht) des Menschen. Diese drei halten den Kreislauf von Geburt und Tod (Samsara) in Gang.

Wie fein sind doch die Übergänge …

Wir haben bei uns im Ort einen familiengeführten Bäcker, nennen wir ihn A, der täglich offen hat, an jedem Sonntag, an jedem Feiertag, auch über Mittag macht er nicht zu. Das zeigt, es geht auch bei kleinen Geschäften. A gilt meine ganze Achtung, stillt er doch mein Begehren, jederzeit frische Backwaren genießen zu können.

In Nachbarort gibt es ebenfalls einen familiengeführten Bäcker, nennen wir ihn B. Er macht sonntags und an Feiertagen nicht auf, montags hat er zu, über Mittag ebenfalls. B gilt meine ganze Verachtung. Ihm sind seine Kunden egal. Er öffnet wann es ihm passt. Der Kunde hat sich nach ihm zu richten.

Nun öffnete vor zwei Jahren, nur ein paar Schritte entfernt von Bäcker B, eine qualitativ hochwertige große Bäckerei, die täglich 12 Stunden offen hat. Häme stieg in mir auf. Jetzt wird B sich umschauen, jetzt muss er sein Verhalten ändern, sonst geht er pleite.

Nichts geschah, bei Bäcker B blieb alles wie es immer war. Und es gibt ihn immer noch.

Wie es der Zufall will traf ich eine Dame, die Herrn B gut kannte. Ich ließ meiner Meinung über diesen Faulpelz freien Lauf … und sie erklärte mir, dass B zufrieden sei mit dem was er hat.

Wie ein begossener Pudel stand ich da und kam ins Grübeln.

Ist Bäcker A gierig oder serviceorientiert? Oder beides? Ist ihm der Kunde wichtig?
Ist Bäcker B nicht gierig oder nicht serviceorientiert? Oder beides? Ist ihm der Kunde unwichtig?

Ich kann mich nicht entscheiden. Wären alle wie Bäcker B, wäre dann die Welt eine bessere?

Krishna spricht in der Bhagavad Gita im dritten Kapitel über Begehren.

Das Begehren ist dein Feind, lässt unbedacht dich handeln in Zorn, Selbstsucht und Gier. (37)

Rauch verdeckt das Feuer, Staub verdeckt den Spiegel, den Fötus verdeckt die Fruchtblase, Begehren verdeckt die Erkenntnis. (38)

Erkenntnis wird durch das Feuer des Begehrens verdeckt, ein durch nichts zufriedenzustellendes und nie erlöschendes Feuer. (39)

Begehren durchdringt Geist, Verstand und Sinne. Durch sie täuscht es den Menschen und verhindert die Erkenntnis. (40)

            
            
          
      

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